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Qualität liegt im Trend – Berufe die vielleicht doch nicht aussterben

In der modernen Welt aus Glas und Stahl, mit Smartphones, Wifi und vollautomatischen Produktionsabläufen gerät es manchmal in Vergessenheit – das Handwerk. Viele Artikel haben in den letzten Jahren das Aussterben von Handwerksberufen hervorgesagt. Es ist zu hoffen, dass sie mit ihrer Einschätzung falsch liegen, denn nach Jahren der Wegwerfmentalität ist wieder Qualität gefragt. Besonders das vielbeschriebene Hipstertum fragt qualitativ hochwertige Retro-Produkte nach, und hier kommt das Handwerk ins Spiel.

Buchbinder haben durch die industrielle Buchfertigung enorm an Bedeutung eingebüßt. Durch den Einzug des E-Books schwinden Printformate und gedruckte Bücher, genauso wie Zeitungen, verlieren ihre Daseinsberechtigung. Allerdings studieren immer mehr junge Menschen und die Universitätsbibliotheken sind voll von Büchern, die durch zahlreiche Hände gehen. Auch historische Werke, die restauriert und neu eingebunden werden müssen, gibt es zur Genüge. Leider ist es nicht für jedermann erschwinglich, seine Bücher neu binden zu lassen, oder Werke in Auftrag zu geben. Es ist daher möglich, dass es in Zukunft die meiste aktuelle Literatur nun noch digital geben wird. Individuelle Einbände könnten aber als besonderes Geschenk an Bedeutung gewinnen. Gebundene Werke und damit die Buchbinder werden solange nicht aussterben, wie es Bücher gibt und Menschen, die den Geruch und das Gefühl für das Papier nicht missen wollen.

Wann waren Sie das letzte Mal beim Schuster? „Das lohnt sich nicht“, „Die Schuhe sind in der nächsten Saison eh nicht aktuell“, „Neue Schuhe sind billiger als die ganze Reparatur“ – mag sein. Aber gerade in stehenden und repräsentativen Berufen ist gutes Schuhwerk ein Muss. Industriell gefertigte Billigschuhe, die nach 2 Monaten den Absatz verlieren, können den Qualitätsansprüchen von immer mehr Menschen kaum standhalten. Die Gesellschaft wird immer älter, und damit steigt auch die Zahl derer mit Fußproblemen. Wer sich in seiner Jugend jahrelang in unbequemes Schuhwerk gezwängt hat, benötigt im Alter oftmals orthopädische Maßschuhe. Dass deren Anfertigung nicht maschinell durchgeführt werden kann, sollte einleuchten.

t-hutSehen und gesehen werden, lautet die Parole beim Pferderennen in Ascot. Was aber wäre ein Pferderennen ohne die Hüte der Damen? Modistinnen, oder Hutmacherinnen fertigen individuelle Hüte für Damen an und verleihen so den Outfits den letzten Schliff. Nach Zeiten der Flower-Power-Bewegung und im modernen Alltag sieht man aber  immer weniger Frauen mit Hut. Sie werden, wenn überhaupt,  nur zu besonderen Anlässen getragen. Nachwuchsdesigner, wie z. B. die Manufaktur „Zwillingsnadel“ aus Weimar, haben darum die Haute Couture als neuen Markt für sich entdeckt,.

ranunkelSie sind anspruchslos, halten ewig und verleihen jedem Raum eine gewisse Frische. Kunstblumen kennt jeder, auch wenn nicht jeder sie mag. Dies mag durch den landläufigen Eindruck kommen, Kunstblumen sähen billig aus und wären aus Kunststoff – was in den meisten Fällen leider auch der Fall ist. Einen sehr interessanten Beruf gibt es im Osten Sachsens. Kunstblumen-Macherinnen fertigen kleine Kunstwerke aus Seide und Samt, die von den Originalen in Feld und Flur kaum zu unterscheiden sind. Die letzte Manufaktur in Sebnitz (Sachsen) versucht die Zunft zu erhalten und hat mit rund 400.000 jährlichen Besuchern einen großen Einfluss auf den Fremdenverkehr der Region.

Solange es Menschen mit einem Bewusstsein für Qualität gibt, werden auch die genannten Handwerksberufe nicht aussterben. Außerdem hängt den meisten Zünften ein zu Unrecht schlechter Ruf nach. Viele Menschen können sich die handgefertigten Produkte nicht leisten oder wissen mit den alten Handwerksberufen  nichts anzufangen. Darum bieten immer mehr Einrichtungen Kurse an, um Einblicke in die Zünfte zu erhalten. Für manchen kann das Hobby-Handwerk somit zum erfolgversprechenden Vollzeit-Job werden und den Sprung in die Selbstständigkeit ermöglichen.