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Natürlich studierst du auch Medizin! Wer soll denn sonst die Praxis führen!

Was früher oft als gegeben schien, wird heute von vielen jungen Menschen in Frage gestellt. Bestimmte Berufe und Branchen haben in einigen Familien lange Tradition. Genau wie der Royal Navy- und British Army-Dienst der beiden Söhne von Prinz Charles vorgegeben ist, sollen auch viele andere Jugendlichen in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Ist vorgeschriebene Berufung noch zeitgemäß?

Genauso wie Häuser, Grundstücke und verstaubte Foto-Alben übernahm die junge Generation auch Betriebe samt Mitarbeiterstab von ihren Eltern. In Ländern mit großem Wohlstand und hohem Grad an Individualismus sinkt die Rate der in der Familie weitergeführten Firmen jedoch seit langem. Die jungen Menschen wollen sich selbst verwirklichen und streben oft in ganz andere Richtungen als ihre Eltern. Sei es Ausbildung, Wohnort oder Beruf – die Welt ist durch die Globalisierung und das Internet größer geworden, oder zumindest sind die vielen Möglichkeiten greifbarer.

Wer als Kind viel mit der Arbeit der Eltern konfrontiert wurde, kennt das Milieu, die Vor- und Nachteile und kann sich ein genaueres Berufsbild machen. Wenn Fragen während Ausbildung oder Studium auftauchen, ist es kein Problem bei den Eltern Rat zu suchen. Vitamin B hat großen Einfluss auf die eigene Karriere – wer bestehende Kontakte der Eltern nutzen kann hat eindeutig viele Vorteile.

Familienbetriebe werden über viele Jahre aufgebaut und hinter jeder Firma steckt Herzblut und Arbeit. Immerhin 60% der Unternehmerkinder können sich vorstellen, den Betrieb der Eltern zu übernehmen oder sehen sich in der Verantwortung. Letztere sollte aber nicht zur Last werden, oder ein Muss sein. Am besten ist es, wenn junge Leute aus eigenem Antrieb das Unternehmen weiterführen wollen. Manche kommen zu dieser inneren Erkenntnis auch über einige Umwege in anderen Unternehmen oder durch eine fachfremde Ausbildung.

Mittelständische Unternehmen sind in Deutschland relativ robust aus der Krise hervorgetreten. Wer die Chance hat, sollte sie nutzen, denn eine eigene Firma macht zwar Arbeit, ist aber oftmals erfüllender als ein Job in einem anonymen Großunternehmen. Wer sein eigener Chef ist, kann nicht einfach wegen Kosteneinsparung gekündigt werden. Viele Selbstständige empfinden außerdem eine große Befriedigung im eigenen wirtschaftlichen Erfolg – sei es in der Kanzlei, Praxis oder Werkstatt. In jedem Unternehmen gibt es eine Vielzahl von Tätigkeitsfeldern. Die Bäckerstochter muss nicht zwangsläufig auch in der Backstube arbeiten, sondern kann die Leitung der Bäckerei, oder die Vermarktung übernehmen.

Am besten ist es wohl, nach dem Abschluss erst einmal seinen inneren Neigungen zu folgen und sich selbst für eine Richtung zu entscheiden. Es hilft aber, selbst wenn man Nachfolger werden will, vor der Übernahme in einem anderen Unternehmen zu arbeiten. Es erweitert die eigenen Fähigkeiten, stärkt das Selbstbewusstsein und erhöht auch die Akzeptanz durch die Mitarbeiter im elterlichen Unternehmen. Wer nach dem nötigen unternehmerischen Wissen sucht, wird vielerorts leicht fündig.


Wenn man mit der Familientradition brechen will, sollten die Eltern dem nicht im Wege stehen. Wer seine Berufung selbst findet ist auf jeden Fall glücklicher, als in ungelebte Träume der Eltern oder vorgefertigte Positionen gedrängt zu werden.

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