Durchsuchen Adzuna Blog »

Social Media Recruiting – Hat das (noch) Zukunft?

Der viel besagte Hype der Personalsuche im Internet mag vorbei sein. Dennoch reihen sich die Social Media-Kanäle (u. a. Xing und Linkedin) in die obere Liste der etablierten Recruiting-Kanäle ein. Mittlerweile wird mehr als jede zehnte Stelle im DACH-Raum via Social Media besetzt. Damit sind Personalmarketing und Active Sourcing im Internet innerhalb von nur drei Jahren von Platz 7 auf Platz 3 der stärksten Einstiegsquellen aufgestiegen. Das ist das Ergebnis des Social Media Recruiting Reports 2013 vom Institute of Competitive Recruiting (kurz: ICR). Darüber hinaus zeigen die Daten auch, dass Social Recruiting von allen Einstiegsquellen die stärksten Zuwachsraten besitzt.

Tobias Kärcher von der Wollmilchsau ist laut einem SZ-Interview davon überzeugt, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Personaler am Schreibtisch gemütlich Bewerbungen sichten und sich die besten Kandidaten herauspicken. „Mittlerweile muss der Personaler einen offenen Job regelrecht bewerben, um die richtigen Fachkräfte anzuziehen“, sagt Kärcher. Klaus Eck, ein anderer Befürworter, meint, dass Unternehmen mit Ständen auf Karrieremessen, Inseraten in Zeitungen und Anzeigen auf Online-Jobportalen schon lange auf sich als Arbeitgeber und ihre freien Stellen aufmerksam machen. So wichtig diese klassischen Wege auch sind – sie allein reichen heute jedoch nicht mehr aus. Der Münchner Unternehmensberater ist einer von Deutschlands führenden Social-Media-Experten. Er ist davon überzeugt, dass es für Firmen von immer größerer Bedeutung ist, Bewerber in den Social Media-Kanälen für sich zu gewinnen.

Allgemein erhält das Thema, vor allem in HR-Kreisen, viel Zuspruch. Dennoch gibt es bisweilen auch skeptische oder kritische Meinungen. Lutz Altmann erklärt beispielsweise, warum Social Media Recruiting noch nicht funktioniert. Ein weiteres Beispiel dafür sind die Reaktionen vor und nach der (vermeintlich) spektakulären Twitter-Jobmesse (#deinjob) im Januar, auf der Unternehmen und Bewerber innerhalb bestimmter Sprechzeiten in den Dialog treten konnten bzw. sollten.

Twitter Jobs

Bei den Skeptikern der Jobmesse stellte sich beispielsweise oft die Frage, warum so ein Dialog, bei dem Unternehmen den Interessenten Rede und Antwort stehen, im Social Web nicht immer möglich und selbstverständlich sei. Immerhin preisen die meisten Firmen ihre Twitter-Seite als dauerhaften Karrierekanal an. Die ernüchternde Antwort lautet: viele Unternehmen nutzen Twitter gar nicht als Dialogkanal sondern eher als einseitigen „PR-Nachrichtenticker“. Ein weiteres Problem ist, dass Social Media Recruiting viel Zeit und Geld kostet. Verstärkt setzen Unternehmen auf die Hilfe ihrer Angestellten als Markenbotschafter beim Ansprechen geeigneter Bewerber im Netz, hat Eck beobachtet. Wenn ein Unternehmen auf eine freie Stelle hinweise, könnten die Mitarbeiter das beispielsweise auf Facebook teilen oder gezielt Mitglieder aus ihrer Freundesliste darauf ansprechen. Das sei authentisch, und die Stellenausschreibung bekomme eine höhere Reichweite, so Eck. Zudem steigere es die Qualität der Bewerbungen, wenn gezielt passende Zielgruppen angesprochen würden und diese sich über die sozialen Netzwerke schon mit dem Unternehmen vertraut gemacht hätten. Doch so einfach, wie es klingt, ist es in der Praxis oft nicht. Denn um bei der Personalsuche im Netz erfolgreich zu sein, müssten die Unternehmen erst einmal in Arbeitskraft investieren. „Tatsächlich fehlt es in vielen Unternehmen am Budget und an der Manpower. Das hängt an Entscheidungen des Managements“, sagt Kärcher. Wenn aber nicht genügend Mitarbeiter dafür zuständig seien, auf Nutzeranfragen in den sozialen Kanälen (rechtzeitig) zu reagieren, mache das bei den möglichen Bewerbern einen schlechten Eindruck und ergäbe insgesamt keinen Sinn.

Eine andere Social Media Recruiting Studie von 2014 liefert andere Zahlen. Hier zeigt sich, im Gegensatz zur ISC-Studie, ein eher mittelmäßiger Erfolg bei der Stellenbesetzung via Social Media: Nur 1-5 freie Stellen sollen über diese Kanäle besetzt worden seien. Für Eva Zils sind die schwachen Ergebnisse allerdings keine große Überraschung, da den verantwortlichen Abteilungen nach wie vor kaum Budget für Social Media Recruiting zur Verfügung gestellt wird. Des Weiteren stellt sie fest, dass sich Unternehmen nach wie vor auf verschiedene Methoden zur (Online-)Personalansprache konzentrieren. Für Personalmarketing- und Employer Branding Maßnahmen wird jedoch weniger in Social Media investiert.

Um erfolgreich „social zu recruiten“, sollten sich Unternehmen ernsthafter mit dem Thema auseinandersetzen und sich relevantes Know-how aneignen. Und laut Eva Zils ist eines sicher und dem stimmen wir von adzuna.de zu: „Sich vollständig den Eigenheiten und (technologischen) sonstigen Veränderungen sozialer Netzwerke bei der Personalsuche zu verschreiben, ist ein Risiko. Es ist immer besser, die verschiedenen Möglichkeiten, die sich Recruitern heute zur Ansprache und Anwerbung bieten, zu kennen, die Trends mitzuverfolgen und die für sie geeigneten Konzepte und Strategien auszuarbeiten, regelmäßig zu überprüfen und anzupassen!“

Das hier könnte auch interessant sein: Wie man auf LinkedIn und XING zum Super-Bewerber wird