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Hilft Zuwanderung den Fachkräftemangel zu überwinden?

Kaum ein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert, wie der in Deutschland vorherrschende Fachkräftemangel und ob die Euro-Krisenländer und Nicht-EU-Staaten uns durch Abwanderung ihrer qualifizierten Arbeitskräfte helfen, den Mangel auszugleichen.

Ein Beispiel der Polarisierung liefern zum Beispiel der Migrationsexperte, Herbert Brückner, vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, der davon schwärmt, wie großartig die Situation für Deutschland ist,  während Gunilla Fincke, Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, im Interview mit der Welt am Sonntag keinen Silberstreif am Horizont sieht. Gemessen an der Akzeptanz der im Sommer eingeführten „Blue Card“, die qualifizierte Ausländer aus Nicht-EU-Staaten anlocken sollte, bleibt der Massenansturm von Fachkräften aus. Von einigen Insidern wird die Karte bereits als Flop bezeichnet.

Immerhin kamen im ersten Halbjahr 2012 rund 182.000 Zuwanderer nach Deutschland. Das waren 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Spanier und Portugiesen stieg um 50 Prozent und die der Griechen sogar um 78 Prozent. Wie hoch der Anteil qualifizierter Fachkräfte darunter ist, wird jedoch nirgends erwähnt.

Das nächste Moped lässt auf sich warten…

Der Portugiese, Armando Rodrigues de Sá, wurde 1964 als der millionste Gastarbeiter in Deutschland mit Blumenstrauß und einem neuen Moped begrüßt. Auf den Millionsten Facharbeiter wird die Republik wohl noch lange warten müssen. Wahrscheinlich sind Mopeds,- außerhalb Vietnams vielleicht- auch nicht mehr so attraktiv als Anreiz zum Umzug. Der einst gefeierte „Held der Gastarbeit“ starb nach einem langen und kostspieligen Krebsleiden 1979, unbeachtet von den Medien, in seiner Heimat Portugal.

Vielschichtige Probleme

Bürokratie

Die deutschen Zuwanderungsgesetze und daraus resultierende Bürokratie, bilden die erste Hürde für potentielle Migranten mit Qualifikation für einen gehobenen Arbeitsplatz. Während auf kulturellem Sektor finanziell gut ausgestattete Organisationen, wie etwa die Goethe Institute, über alles informieren was im Land als schöngeistige Errungenschaften des Volkes der Dichter und Denker angesehen wird, haben die Botschaften und Konsulate im Ausland wenig transparentes Material für den Arbeitsmarkt zu bieten. Auch die Vertretungen der Handelskammern kommen kaum über B2B Veranstaltungen mit den üblichen Visitenkarten-Tauschbörsen für Firmenvertreter hinaus.

Vielleicht sollten die hochbezahlten Beamten in Brüssel angesichts der Globalisierung über ein Europa-Arbeitsamt nachdenken, anstatt EU-Verordnungen über den Krümmungsgrad von Gurken, den maximalen Durchmesser einer Pizza Napoletana, oder die Vorschrift für Arbeitgeber, Angestellte über die Gefahr vor Sonnenbrand zu informieren, aushecken zu lassen.

Fehlende Hilfe beim Umzug

Vera Calasan, Chefin des großen Personalvermittlungs-Unternehmens Manpower, mit bis zu 35.000 Vermittlungen pro Jahr, beklagt im Spiegel Interview, dass von 18.000 Stellenvermittlungen ihrer Firma lediglich 10 mit qualifizierten Mitarbeitern aus dem Ausland besetzt werden konnten. Die meisten Umzüge werden über eine Relocation Agentur abgewickelt und verursachen ziemlich hohe Kosten, die Arbeitgeber vermeiden wollen. Laut Manpower Chefin betragen die Kosten für einen Auslandsbewerber mit einer dem deutschen Niveau entsprechenden Ausbildung etwa 24 Prozent des ersten Bruttogehalts. Calasan beklagt ebenso mangelnde Flexibilität der Firmen in verschiedenen Bereichen von Einstiegshilfen.

Sprach- und Zeugnisprobleme

Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass alle Auslandsbewerber die deutsche Sprache beherrschen. Aber auch in der Berufsgruppe der Ingenieure gibt es in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland zu wenige Bewerber, die mindestens Englisch beherrschen.

Der bürokratische Aufwand bei Übersetzungen und Beglaubigungen von Zeugnissen und Zertifikaten, scheint sowohl Arbeitgeber wie Bewerber gleichermaßen abzuschrecken.

Die Illusion vom Wunschkandidaten relativieren

Auf der einen Seite kommen „Alleskönner“ und „Besserwisser“ nicht einmal in den kühnsten Träumen der Personalchefs für eine Stelle in Betracht, während gleichzeitig immer noch in vielen Betrieben die Illusion vom 100%igen Wunschkandidaten vorherrscht. Besonders bei der Einstellung von ausländischen Mitarbeitern sollte man geeignete Hilfestellung in der Einarbeitungsphase bieten. Als besonders geeignet erweisen sich bereits im Unternehmen angestellte Ausländer, die sich der Neulinge annehmen.

Fazit

Analysten mit einer entsprechenden Glaskugel prophezeien seit Jahren, dass die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland nur mit dem Zuzug ausländischer Fachkräfte ausgeglichen werden können.

Probleme den Fachkräftemangel mit Einstellungen ausländischer Mitarbeiter zu begegnen sind zum Teil hausgemacht. Im Gegensatz zu den Global Playern, sind besonders die mittelständischen Betriebe nicht gut auf Fremdarbeiter vorbereitet. Offensichtlich wird an dieser Stelle erst nachgebessert, wenn der Druck auf die Unternehmen im internationalen Wettbewerb die Schmerzgrenze erreicht.