Nachdem wir vor kurzem schon über das Thema Social Media Recruiting berichtet haben, wollen wir uns heute einem anderen Trend, dem Mobile Recruiting, widmen. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob es überhaupt (noch) ein Trend ist? Gerade in letzter Zeit wurden einige Studien veröffentlicht, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, jedoch unterschiedliche Ergebnisse zeigen.
Fakt ist zumindest eins: Mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs haben sich für Menschen, also potenzielle Jobkandidaten, zum gängigen Kommunikations- und Informationsmedium entwickelt. Sie sind auch in vielen Berufen ein fester Bestandteil des Workflows geworden und aus dem Leben der meisten Menschen ohnehin nicht mehr wegzudenken. Wenig überraschend also, dass die mobilen Geräte auch bei der Jobsuche immer wichtiger werden könnten. Viele Bewerber setzen zumindest teilweise schon auf Methoden der mobilen Jobsuche und nutzen vor allem ihr Smartphone als Kommunikations- und Benachrichtigungszentrale. Die Unternehmen rechnen daher allgemein mit einem steigenden Einfluss mobiler Medien auf den Rekrutierungsprozess in den nächsten Jahren.
Laut der Studie „Recruiting Trends 2014“ , die das Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main jährlich zusammen mit dem Karriereportal Monster veröffentlicht, gewinnt Mobile Recruiting zunehmend an Bedeutung. Bereits 60 % der „Top 1000“ unternehmerischen Studienteilnehmer erachten die Ansprache von Kandidaten über Smartphone und Tablet-PC als sinnvoll, 24,3 Prozent haben ihre Karriere-Webseite mobil optimiert und bereits jedes zehnte Unternehmen bietet Apps für die Stellensuche an. Das ist natürlich zu wenig und bestätigt das Ergebnis der Beratung Wollmilchsau. Diese meint, dass die deutsche Wirtschaft, von einer Handvoll Unternehmen abgesehen, nicht im Geringsten auf die mobile Zukunft des Internet vorbereitet ist, geschweige denn auf mobile Stellensuche.
Natürlich müssen bzw. sollten Unternehmen stets auf die Bedürfnisse der Bewerber reagieren, doch wollen letztere überhaupt ihre Jobsuche und den anschließenden Bewerbungsablauf „mobilisieren“? Die Bewerber spielen eigentlich noch nicht so richtig mit. Laut einer Befragung der Hochschule Heilbronn und des Softwareherstellers Softgarden im Jahr 2013 können sich jedenfalls mehr als 800 von 1200 Jobinteressenten nicht vorstellen, sich per Smartphone oder Tablet-PC zu bewerben. Der Aussage, „Ich finde die mobile Bewerbung schlecht“, stimmten 65 Prozent der Befragten zu. Die Mehrheit der Bewerber bevorzugt also noch den großen Bildschirm und die sicherere Internetverbindung zu Hause. Vielleicht liegt es jedoch daran, dass einige gar nicht so genau wissen, was eine mobile Bewerbung ist. Hier liegen die Vorstellungen nämlich noch weit auseinander. Viele verstehen darunter das, was man früher am heimischen Rechner gemacht hat: Man formuliert ein Anschreiben und hängt Lebenslauf und Zeugnisse an. So begründete jeder Fünfte seine Ablehnung der mobilen Bewerbung damit, der Bildschirm sei zu klein oder die Tastatur eigne sich nicht zum Schreiben langer Texte. Dass es wenig verlockend ist, mit Mini-Tasten ein Motivationsschreiben zu tippen, während einem der Sitznachbar in der U-Bahn über die Schulter lugt, wird kein Personaler bestreiten. Doch das wird auch gar nicht verlangt. Für die mobile Bewerbung reicht in der Regel ein Klick: Dadurch wird der Lebenslauf, der bei einem Business-Netzwerk oder einem Job-Portal hinterlegt ist, automatisch gesendet. Das genügt dem Recruiter, um sich ein erstes Bild vom Bewerber zu machen. „Alle weiteren Details klären wir im zweiten Schritt“, sagt Julia Rohleder, die das Recruiting beim Versandhandel Otto leitet.
Dass die Unternehmen mit ihren Angeboten also nicht unbedingt die erwartete Zustimmung der Bewerber finden, zeigt auch die veröffentlichte Studie Bewerbungspraxis 2014, welche die Sicht der (potentiellen) Bewerber widerspiegelt. Zwar finden zwei Drittel der befragten Bewerber Mobile Recruiting gut und 40 Prozent nutzen es bei der Stellensuche. Doch jeder Vierte meint, dass die Darstellung der Stellenanzeigen nicht problemlos funktioniert. Für die Erstellung und den Versand der Bewerbung haben Smartphone und Co. weiterhin einen untergeordneten Stellenwert. De facto haben sich gerade einmal neun bzw. vier Prozent der Stellensuchenden schon einmal via Smartphone oder Tablet-PC beworben.
Problem hier: Die wenigsten Karriereseiten sind für alle mobilen Browser kompatibel oder responsive. Während die mobilen Versionen einer Karriereseite auf Smartphone und Tablet-PC gleich angelegt sind – und auf Tablets daher etwas seltsam und wenig ansprechend wirken – passen sich Karriereseiten mit responsiven Design automatisch der Bildschirmgröße an. Das gilt nicht nur für die Darstellung der Seite an sich, sondern auch für die Anordnung der Bedienungselemente, der Anzeige von Grafiken und andere Faktoren. Insgesamt bieten responsive angelegte Webseiten die angenehmere Bedienung und die bessere Nutzererfahrung als mobile Versionen der Karriereseiten. Bekannte responsive Karriereseiten sind z. B. AXA, BMW oder Porsche.
Fazit: Mobil Recruiting zeigt ein großes Potenzial, um sich zu etablieren. Jedoch brauchen die Unternehmen neue Modelle und Best Practices, um sich an die Bedürfnisse der Bewerber besser anzupassen. Hauptpotenziale des Mobile Recruitings sehen die Unternehmen laut einer Studie der Hochschule Rhein/Main übrigens in der Unterstützung von Personalmarketing und Employer Branding. Für die Personalbeschaffung an sich werden sie momentan als geringer empfunden. Dabei liegt der Nutzen besonders in der Ansprache jüngerer Zielgruppen und weniger von Fach-/Führungskräften. Die wichtigsten Instrumente im Mobile Recruiting sind nach den Meinungen der Teilnehmer die mobile Karrierseite und der mobile Stellenmarkt. Zwischen empfundener Bedeutung und unternehmensseitigem Einsatz dieser Instrumente sind aber noch klare Diskrepanzen erkennbar.
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