Der Arbeitsmarkt ist nicht mehr das, was er mal war: Durch Einflüsse wie die Corona-Pandemie, den Krieg in der Ukraine, die Energiekrise und den wachsenden Arbeitskräftemangel, wurde der Arbeitsmarkt dynamischer, als er es in den letzten Jahren war. Zuletzt sind dadurch Trends wie ‘Quiet-Quitting’ oder ‘Quiet-Firing’ entstanden und haben enorme Aufmerksamkeit gewonnen. Der neueste Trend, der nicht nur auf LinkedIn, Xing und Co. die Runde macht, ist ‘Career-Cushioning’.
Klingt erst einmal seltsam? Wir erklären Dir, was Career-Cushioning bedeutet und warum immer mehr von uns diese Methode anwenden werden.
Was ist ‘Career-Cushioning’?
Trend-Begriffe aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen ist immer eine Sache – und auch Kunst – für sich. Wortwörtlich ins Deutsche übersetzt wird dabei aus ‘Career-Cushioning’ die ‚Karriere- Abfederung‘.
Doch was bedeutet dieser Begriff genau?
‘Cushioning’ ist Dir womöglich aus dem Bereich der Partnersuche bekannt. Im Dating-Kontext wird der Begriff von einigen benutzt, wenn man ‘sich selbst abfängt’, indem man andere romantische Möglichkeiten erkundet (oft eher im emotionalen als im physischen Sinne), während man in einer festen Beziehung ist. Auf diese Weise kann man herausfinden, ob das sprichwörtliche Gras in einer anderen Beziehung grüner sein könnte: man lernt den aktuellen Partnerpool kennen und sichert sich möglicherweise einen anderen Partner, bevor man sich trennt.
‘Career-Cushioning’ beruht auf denselben Prinzipien, aber ohne die emotionalen Konsequenzen für andere. In diesem Zusammenhang bedeutet das ganz einfach, einen Notfallplan für eine mögliche Arbeitslosigkeit zu erstellen – besonders wichtig in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Im Grunde ist es ein Plan B, den man nutzen kann, wenn das Schlimmste passiert. Du erkundest, ob die Situation in einem anderen Job besser ist und/oder sicherer sein könnte, erfährst, welche Stellen es aktuell auf dem Markt gibt und sicherst Dir möglicherweise eine neue Stelle, bevor Du Deinen aktuellen Job verlierst.
Wie funktioniert ‘Career-Cushioning’?
Das ‘Career-Cushioning’ umfasst verschiedene Methoden:
1. Lass Dein Netzwerk für Dich arbeiten.
Ob digital oder analog, kann Networking eine gute Möglichkeit bieten, einen neuen Job zu finden. Du kannst Deine Chancen auf ein neues Angebot erhöhen, während Du in Deinem aktuellen Job arbeitest, indem Du regelmäßig Beiträge in professionellen sozialen Netzwerken wie LinkedIn veröffentlichst und online oder offline an Veranstaltungen teilnimmst.
Wenn Du Menschen in Deinem Umfeld hast, denen Du vertraust, bitte sie, ihre Augen und Ohren offen zu halten und Dich zu erwähnen, wenn sie von offenen Positionen hören, die gut zu Dir passen könnten. Im besten Fall könnte dies zu einem Kaffee mit jemandem in einem Unternehmen oder in einer Personalvermittlung führen und Dir helfen, Dich über den aktuellen Stellenmarkt in Deiner Branche und Chancen bei anderen Unternehmen auf dem Laufenden zu halten.
2. Bereite Dich auf die Stellensuche vor.
Wann war das letzte Mal, dass Du Deinen Lebenslauf aktualisiert hast? Die Bearbeitung Deines Lebenslaufes und Anschreibens sind harte Arbeit, aber warte nicht darauf, dass Du entlassen wurdest, um die Änderungen vorzunehmen. Tendenziell sind Arbeitssuchende kurz nach ihrer Entlassung eher weniger motiviert. Plane stattdessen einen regelmäßigen Lebenslauf-Check ein, bei dem Du relevante Erfahrungen und Projekte direkt hinzufügst.
3. Bewerte Deine Fähigkeiten – die sogenannten Hard Skills.
Deine aktuellen Fähigkeiten haben Dich in Deine aktuelle Anstellung gebracht, aber das bedeutet nicht, dass Du Dir nicht auch andere Alternativen anschauen kannst. Verwende beispielsweise unser Tool ‘ValueMyCV’, um Deine aktuellen Erfahrungen und Fähigkeiten mit unserer Datenbank und dem Arbeitsmarkt zu vergleichen, und herauszufinden, ob Du mehr verdienen kannst oder welche Stellen ebenfalls zu Deinem Profil passen würden. Möglicherweise könnte dies der Anstoß sein, den Du brauchst, um Deine Jobsuche zu starten.
4. Bleib am Puls der Zeit.
Wenn Du Dich bereits sehr lange in Deiner jetzigen Anstellung befindest, könnte es sein, dass Markttrends an Dir vorbeigehen. Um das zu verhindern, kannst Du Fachzeitschriften lesen und Kontakt mit Gleichgesinnten aufnehmen. Dein Wissen über die neuesten Trends kannst Du dann ideal in Deinem nächsten Vorstellungsgespräch einsetzen. Der gleiche Ansatz gilt auch für den Stellenmarkt. Halte Ausschau nach Trends, informiere Dich, ob Deine aktuelle Position noch gefragt ist und stelle sicher, dass es keine unerwarteten Überraschungen gibt.

5. Investiere Zeit in Deine Weiterbildung.
Hast Du eine bestimmte Karriere im Kopf, aber weißt, dass Dir dafür wichtige Qualifikationen fehlen? Dann kannst Du Weiterbildungen besuchen, an Seminaren teilnehmen oder kostenlose Onlinekurse belegen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Deine derzeitigen Fähigkeiten zu erweitern. Möglicherweise kann Dich auch Dein aktuelles Unternehmen finanziell oder mit bestimmten Weiterbildungen unterstützen.
6. Sei ein Schmerzmittel und kein Multivitamin.
Wenn Du in Deinem derzeitigen Job glücklich bist, aber Dir Sorgen machst, wie sich die höheren Lebenshaltungskosten und die aktuelle Geschäftslage auf die Personalplanung auswirken, nutze Deine Zeit, um Dich unentbehrlich zu machen. Du kannst es auch so sehen: ein Multivitamin ist eine tolle Sache, die einen Mehrwert bietet, aber wenn man vergisst, es einzunehmen, hat das keine großen Auswirkungen. Wenn ein Unternehmen also eine Person, die wie ein Multivitamin wirkt, verliert, wird es nicht unbedingt scheitern. Ein “Schmerzmittel” hingegen ist jemand, der gebraucht wird, wenn die Zeiten schwierig werden.
Zeige, wie gut Du bist, nimm neue Herausforderungen an und verdeutliche den Wert Deiner Arbeit für das Unternehmen. Wenn Du beweisen kannst, welche guten Ergebnisse Du für das Unternehmen erreichst, ist dies ein großer Vorteil.
7. Beginne damit, Dich nach einer stabilen Beschäftigung umzusehen.
Wenn Dein aktueller Job in Gefahr ist oder Schlagwörter wie Entlassungen oder Einsparungen erwähnt werden, ist jetzt vermutlich der richtige Zeitpunkt, um Deine Jobsuche zu starten.
Stelle jedoch sicher, dass Dein nächster Schritt für Deinen angestrebten weiteren Berufsweg Sinn ergibt. Wenn es in Deiner aktuellen Branche zu Kürzungen kommt und Arbeitsplätze immer unsicherer werden, kann ein Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber in derselben Branche mit Risiken verbunden sein. Außerdem gilt leider oft die Regel: ‘Wer zuletzt kommt, geht zuerst.’
Suche nach Branchen, die stabiler sind und hohe Einstellungsquoten haben; hier kannst Du eine größere Langlebigkeit vermuten.
Scheue zudem nicht davor zurück, im Vorstellungsgespräch nach der aktuellen Unternehmenslage, den Wachstumsplänen und der langfristigen Sicherheit der Stelle zu fragen.
8. Starte eine Nebenbeschäftigung.
Du glaubst, dass die Arbeit in einem Unternehmen nichts für Dich ist? Dann kannst Du überlegen, eine Deiner Leidenschaften in ein Einkommen zu verwandeln. Möglicherweise kannst Du die Fähigkeiten, die Du in Deinem Arbeitsalltag verwendest, nutzen, um Kunden für eine selbstständige Tätigkeit zu gewinnen (aber achte dabei darauf, dass Du keine Wettbewerbsklauseln brichst) oder tue etwas ganz anderes.
Zwar kann die Aufnahme einer Nebenbeschäftigung, wenn man Vollzeit arbeitet, ermüdend und anstrengend sein, aber dies könnte Dir helfen, einen ‘Notgroschen’ als finanziellen Puffer aufzubauen. Außerdem kannst Du so herausfinden, ob diese Beschäftigung eine Vollzeit-Alternative für Dich sein könnte.
9. Baue ein passives Einkommen auf.
Der Aufbau eines passiven Einkommens unterscheidet sich leicht von dem Start einer Nebenbeschäftigung. Beispiele für passives Einkommen sind Dividenden aus Aktien, Mieteinnahmen oder Einnahmen über Affiliate-Marketing.
All dies sind Wege, um ein langsames, aber stetiges Einkommen aufzubauen und Deine Ersparnisse zu stärken, damit Du auf den schlimmsten Fall vorbereitet bist.
Warum gibt es den ‘Career-Cushioning’-Trend?
Die unsichere Wirtschaftslage macht viele von uns nervös. Die Kosten steigen schneller als die Löhne, und nicht für jedes Unternehmen gibt es eine Überlebensgarantie.
Die berufliche ‘Abfederung’ ist eine Möglichkeit, die negativen Konsequenzen abzufedern, falls man seinen Job verlieren sollte. Viele suchen daher nach stabilen Arbeitsplätzen, legen regelmäßig Ersparnisse beiseite und sichern so ihre Zukunft ab.
Angesichts der Tatsache, dass einige Unternehmen wie Twitter, Google und Co. auf einen Schlag tausende Stellen streichen, ist es wichtiger denn je, einen Plan B zu haben.
Was sind die Vorteile davon?
Stabilität und Sicherheit sind die Hauptvorteile. Sei es finanziell gesehen oder die Gewissheit, dass es andere Jobs oder andere Wege zu erkunden gibt.
Aufgrund der ständigen Unsicherheit der letzten Jahre, insbesondere durch die Corona-Pandemie, möchten Arbeitnehmer:innen sicherstellen, dass sie einen Arbeitsplatz haben, auch wenn dies bedeutet, diesen zu wechseln.
Was sollte man beim ‘Career-Cushioning’ beachten?
‘Career-Cushioning’ wird nicht immer gutes Licht auf Dich werfen. Wenn Du LinkedIn verwendest, um Deine eigenen (selbstständigen) Dienste zu bewerben, anstatt die des Unternehmens, für das Du arbeitest, wird Dein Chef dies eher nicht für gut befinden. Das gleiche gilt, wenn Du im Job nicht mehr erfolgreich bist, da Du Dich zu sehr auf Deine Nebenbeschäftigung konzentrierst. Das Wichtigste ist Gleichgewicht.
Nutze Deine Zeit dazu, herauszufinden, wie viel Energie Du zur Verfügung hast und welche der oben genannten ‘Career-Cushioning’ Methoden am besten zu Deiner jetzigen Situation passen – gehe nicht alle gleichzeitig an!
Wenn Deine jetzige Arbeitsstelle stabil ist, solltest Du Dich darauf konzentrieren, Deinen Lebenslauf und Dein Netzwerk aufzufrischen, anstatt Zeit und Mühe in die aktive Stellensuche zu investieren. Wenn die Dinge zu wackeln beginnen, solltest Du Zeit einplanen, um Deine Karriere abzufedern und ein paar Ersparnisse aufzubauen.
Wie sollten Unternehmen auf ‘Career-Cushioning’ reagieren?
Einige Unternehmen argumentieren, dass ’Career-Cushioning’ unethisch sei. Wenn sie eine:n Mitarbeiter:in für eine Vollzeitstelle einstellen, dann sollte diese:r auch die gesamte Zeit und Energie dieser Rolle widmen.
Die aktuelle Wirtschaftslage muss jedoch realistisch betrachtet werden. Wenn ein Unternehmen keine langfristige Stabilität des Arbeitsplatzes garantieren kann, kann Arbeitnehmer:innen geraten werden, in den übrigen 128 Stunden pro Woche Ausschau nach neuen Möglichkeiten zu halten.
Aus Sicht der Unternehmen ist es wichtig, die Zuversicht, dass die aktuellen Herausforderungen gemeistert werden können, auch den Mitarbeiter:innen zu vermitteln. Dazu können beispielsweise Pläne für die nächsten 12, 24 oder sogar 36 Monate geteilt werden und gezeigt werden, wie die aktuellen Arbeitnehmer:innen darin eingebunden werden. Der Fokus liegt hier auf der Bindung der Belegschaft. Dazu kann auch mitgeteilt werden, welche Gehaltserhöhungen zu erwarten sind und was im Gegenzug von den Mitarbeiter:innen erwartet wird.
Wenn diese Dinge nicht sicher sind, ist eine offene Kommunikation dennoch von entscheidender Bedeutung. Hier kommt die Überlegung ins Spiel, wie die Kündigungsfristen aussehen könnten, wie viel finanzielle Sicherheit im Hier und Jetzt auf der Grundlage der aktuellen Betriebskosten besteht und es könnte dargelegt werden, was dies für die Mitarbeiter:innen bedeuten könnte.
Wenn bekannt ist, dass sich einige Mitarbeiter:innen anderweitig umsehen, sollte dies nicht persönlich genommen werden. Der Fokus sollte stattdessen darauf gelenkt werden, ein Umfeld zu bieten, in dem sich die Arbeitnehmer:innen wohlfühlen und das sie nicht verlassen wollen. Oder wenn sie aus finanziellen Gründen gehen müssen, sollten sie zumindest zurückkommen wollen.
In Anbetracht der derzeitigen Ungewissheit ist die berufliche Abfederung etwas, das wahrscheinlich bestehen bleiben wird, und Arbeitgeber:innen wie Arbeitnehmer:innen sollten offen dafür sein, diesen Trend auszuprobieren.
Wenn Du nun mit der Jobsuche beginnen möchtest, kannst Du zum Beispiel unsere Suche nutzen, um Deine nächste Stelle zu finden oder Deinen Marktwert mit unserem Tool ValueMyResume herausfinden.
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