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Initiativbewerbung – Versuch´s doch mal!

Ihr habt ein oder mehrere Unternehmen im Auge, die euch besonders interessieren? Die Arbeitsatmosphäre, die innovativen Produkte oder der herausragende Service sind perfekt und überzeugen euch? Aber leider gibt es momentan keine vakanten bzw. ausgeschriebenen Stellen oder ihr wollt einfach nicht länger auf passende Stellenangebote warten? Dann nehmt die Sache selber in die Hand und bewerbt euch (eigen-)initiativ. Mit einer sogenannten „Initiativbewerbung“ könnt ihr deutlich zeigen, dass ihr eure Zukunft pro aktiv mitgestalten wollt. Denn wer mit Eigeninitiative und Ideen an seine berufliche Entwicklung geht, wird höchstwahrscheinlich auch unternehmensinterne Projekte mit Tatkraft und Dynamik umsetzen.

Wer noch nicht weiß, um was es sich überhaupt handelt: Die Initiativbewerbung bedeutet, dass man seine Bewerbungsunterlagen unaufgefordert zu potenziellen Arbeitgebern sendet, ohne dass diese zuvor ein Stellenangebot veröffentlicht haben.

Doch auf welche Stelle bewirbt man sich eigentlich, wenn gar keine ausgeschrieben ist? Wir raten euch, den Onlineauftritt des Unternehmens anzuschauen und abzuleiten, wo ihr hineinpassen könntet. Zudem solltet ihr eure Ausbildung und den Abschluss nennen. Je mehr ihr schon auf einen Bereich festgelegt seid, desto konkreter solltet ihr in der Bewerbung eine mögliche Stelle anpeilen.

Für welche Bewerber eignet sich eine Initiativbewerbung?

Laut dem Erfolgscoach Uwe Schnierda lohnt sie sich auf jeden Fall für Berufseinsteiger und Young Professionals. Es gibt eine Menge Unternehmen, die sogar erwarten, dass Berufseinsteiger noch während der Examensphase Initiativbewerbungen verschicken. Denn sie suchen Kandidaten, die diese Doppelbelastung aushalten können – die also parallel zu ihren Prüfungen auch den Bewerbungsstress auf sich nehmen. Allgemein stoßen Initiativbewerbungen von hoch qualifizierten Fach- und Führungskräften (z. B. IT-Branche) häufig auf Interesse und werden in der Regel gelesen – wenn das Profil zu den Bedürfnissen des Unternehmens passt.

Anders gesagt: Die konkreten Chancen einer Initiativbewerbung hängen auch von den Eigenheiten des Unternehmens ab, die ihr vor eurer Bewerbung prüfen solltet. Die folgenden Aspekte können euch als Indiz dafür dienen, dass eine Initiativbewerbung im Unternehmen Gehör finden kann:

– Das Unternehmen kommuniziert regelmäßig und offen seine Arbeitsbedingungen und seinen Bedarf an Fachkräften.

– Ihr findet auf der Karriere- oder Unternehmenswebseite alle Informationen, die ihr für eine Initiativbewerbung braucht.

– Das Unternehmen betont immer wieder, dass Eigeninitiative und Engagement geschätzt und gefördert werden.

– Aus eurer Sicht ist beim Unternehmen ein Bedarf für eure Fähigkeiten vorhanden und ihr könnt diese Haltung auch begründen.

– Bei eurer telefonischen Anfrage werdet ihr höflich behandelt und die zuständigen Mitarbeiter nehmen sich Zeit für das Gespräch mit euch.

– Ihr verfügt nach der Recherche über einen konkreten Ansprechpartner, dem ihr eure Bewerbung zukommen lassen könnt

Initiativ bedeutet nicht blind!

Eine Initiativbewerbung sollte man auf jeden Fall von einer Blindbewerbung abgrenzen. Bei einer Blindbewerbung handelt es sich um ein Massenrundschreiben mit immer dem gleichen Standardtext. Meist merkt der Leser schon nach zwei Zeilen, dass hier jemand 100 Bewerbungen auf einen Schlag verschickt hat, sich aber weder über das Unternehmen informiert noch überlegt hat, wie er sich einbringen kann. Initiativbewerbungen dagegen setzen “Initiative” voraus, also die Suche nach Informationen, Kontakte, Telefongespräche, passgenaue Anschreiben und Lebensläufe. Firmeninterne Informationen sind entscheidend, denn vor einer Initiativbewerbung geht es darum, die eigenen Qualifikationen und Stärken mit dem Kerngeschäft des Unternehmens abzugleichen. Immer getreu der Leitfrage: Habe ich etwas zu bieten, was die Verantwortlichen dort interessieren könnte? Schließlich sollen diese davon überzeugt werden, dass sie Bewerber brauchen – obwohl sie das vor der Bewerbung gar nicht wussten.

Fünf Tipps, mit denen ihr bei eurer schriftlichen Initiativbewerbung punkten könnt

– Nutzt Eyecatcher: Ziel ist es, das Interesse des Lesers zu wecken. Das schafft ihr, indem ihr direkt sagt, was ihr wollt und was ihr bieten könnt. Obwohl hier Kreativität gefragt ist, können auch weniger „flippige“ Initiativen ihre Wirkung haben.

– Fallt mit der Tür ins Haus: Nennt gleich zu Beginn eures Anschreibens die wichtigsten Fakten: aktuelle Position, Qualifikation und vor allem die praktische Erfahrung, die euch dazu veranlasst, nach einer neuen Herausforderung in genau dieser Firma zu suchen. Die Details klärt ihr dann im Lebenslauf. Es geht jedoch nicht primär darum, all eure Qualifikationen und Fähigkeiten zu präsentieren. Vielmehr solltet ihr die für das Unternehmen relevanten Fähigkeiten und Qualifikationen in den Vordergrund stellen.

– Macht deutlich, was ihr wollt: Bezeichnet genau den Job, den ihr euch vorstellt und was gerade euch dafür auszeichnet. Nennt zudem die Schwerpunkte eurer Ausbildung und/oder eurer bisherigen beruflichen Tätigkeit.

– Fasst euch kurz: Ein Bewerbungsanschreiben sollte nie und schon gar nicht bei einer Initiativbewerbung länger als eine Seite sein. Wer auf den Punkt kommt, hat schon halb gewonnen. Zur Klärung von Detailfragen gibt es beim Vorstellungsgespräch noch genügend Gelegenheiten. Das primäre Ziel ist zunächst, den Personaler erst einmal dazu zu bringen, sich für euch zu interessieren und über einen möglichen Einsatz eurer Arbeitskraft nachzudenken.

– Nicht schleimen, sondern zeitgemäß auftreten: Lasst bei der Initiativbewerbung überflüssige Schmeicheleien wie „Ihre Firma ist mir als die beste der Branche bekannt“ oder „Ich würde mich freuen, wenn Sie mir ein wenig Ihrer geschätzten Zeit schenken würden“. Dieser Stil ist von vorgestern und heute nicht mehr angebracht.

Selbstverständlich solltet ihr das Anschreiben der Initiativbewerbung an den Ansprechpartner richten, mit dem ihr vorab telefoniert habt oder zumindest an den, der euch genannt wurde. Sinnvollerweise habt ihr auch geklärt, welche Unterlagen sie benötigen oder ob eine E-Mail-Bewerbung erwünscht ist. Ganz wichtig ist vor allem Authentizität, meint Gesa Krämer, die viele Jahre im Hochschulmarketing in der Industrie tätig war und heute freiberuflich im Bereich Coaching arbeitet. „Nur wer über die eigenen Stärken und Schwächen reflektiert und sich selbst wahrnimmt, wie er ist, kann nach außen hin authentisch wirken“.

Vor- und Nachteile einer Initiativbewerbung

 Die Vorteile  Die Nachteile
Es gibt keine Konkurrenz. Vielleicht gibt es bereits eine passende, aber noch nicht ausgeschriebene Position im Unternehmen, die dank eurer Bewerbung jetzt ohne Ausschreibungskosten besetzt werden kann. Besonders große oder bekannte Unternehmen bekommen viele Initiativbewerbungen und sagen diese auf Grund von Überlastung häufig ab, auch wenn es passende offene Stellen gibt.
Ihr könnt eure Qualitäten präsentieren ohne Rücksicht auf etwaige Anforderungen in einer Stellenanzeige. Es gibt Bewerbermanagementsysteme, in denen Absagen zentral gespeichert werden. Durch eine missglückte Initiativbewerbung verbaut man sich hier ggf. weitere Chancen.
Ihr beweist Initiative und Motivation sowie euer Interesse an dem Unternehmen. Initiativbewerbungen sind mit deutlich mehr Aufwand verbunden als eine Bewerbung auf eine Stellenanzeige, sofern sie richtig geschrieben werden.
Sollte keine passende Stelle vorhanden sein, wird eure Initiativbewerbung ggf. in der Zukunft bevorzugt berücksichtigt.

Umfang der Initiativbewerbung

Allgemein gilt: Eine Initiativbewerbung sollte so kurz wie möglich und so lange wie nötig sein. Da sie sich jedoch auf keine konkrete Stellenausschreibung bezieht, ist der Umfang relativ frei bestimmbar. Entweder schickt ihr eure vollständige Bewerbungsmappe oder nur eine Kurzbewerbung (Anschreiben + Lebenslauf). Wir empfehlen ebenfalls, eure Arbeitszeugnisse anzuhängen. Diese werden fast immer gelesen und laut Umfragen erwarten 87 Prozent der Personalverantwortlichen, dass Bewerber ihre Arbeitszeugnisse vollständig beifügen. Falls ihr – aus welchem Grund auch immer – derlei Anlagen weglasst, solltet ihr wenigstens am Ende des Anschreibens erwähnen, dass ihr diese gerne auf Nachfrage nachschicken werdet.

Fazit

Eine Initiativbewerbung kann euch hervorragende Chancen bieten und einen Job bei einem eurer Wunscharbeitgeber sichern. Ihr könnt euch damit aber auch jegliche Bewerbungschancen bei einem Unternehmen zerstören und euch selbst im Weg stehen. Chancen und Risiken liegen hier sehr nah beieinander und der Erfolg und Nutzen einer Initiativbewerbung hängt primär vom klaren Fokus eurer Bewerbung ab. Sind alle notwendigen Voraussetzungen eurerseits erfüllt und ist das Unternehmen eurer Analyse zur Folge Initiativbewerbungen gegenüber aufgeschlossen, kann sich eine solche Bewerbung jedoch bei Unternehmen jeder Größenordnung und Branche lohnen.

Hier gibt es die wichtigsten Informationen zum Thema in einer Zusammenfassung (Video)!