Wie weit wir wirklich von einem „vereinigten Europa“ entfernt sind, zeigen die eklatanten Unterschiede der Arbeitsmärkte zwischen den Mitgliedsstaaten. Während in anderen Ländern wie etwa Spanien (rund 4,62 Millionen- 24,6 Prozent Arbeitslose) und Griechenland (22,6 Prozent ohne Job, Stand Juni 2012) Fachkräfte keine Arbeit finden, erlebt Deutschland einen Tiefstand der Arbeitslosenzahlen.
Die junge EU-Generation ist besonders hart betroffen
Jugendarbeitslosigkeit beträgt in Spanien 52,1 Prozent und in Griechenland sind fast 40 Prozent der Altersgruppe der 15 – bis 29-Jährigen arbeitslos. Im Mai 2012 betrug die Gesamtzahl der EU Arbeitslosen 24,8 Millionen!
Die Dekra-Akademie veröffentlicht Arbeitsmarkt-Report 2012.
In einer Stichtagsanalyse am 25.Februar 2012 untersuchten die Statistiker 16.129 Stellenangebote in elf deutschen Tageszeitungen, zwei online Job-Börsen und einem Social Network. Das Ergebnis ist zwar imposant, aber bei Weitem nicht so unerwartet, wie es den Anschein haben mag: Der Arbeitsmarkt in Deutschland wird sich demnach in naher Zukunft drastisch verändern. Die Prognosen zum Thema sind teilweise bereits zehn Jahre alt, wurden aber nun erstmals an aktuellen Fakten gemessen. Laut Dekra wird sich der traditionelle Arbeitgebermarkt in einen Bewerber- und Arbeitnehmermarkt verwandeln.
Vereinfacht ausgedrückt spiegelt das Ergebnis das Problem wider, das entsteht, wenn eine positive wirtschaftliche Entwicklung durch Geburtenrückgang und Vergreisung belastet wird.
Dazu Dr. Peter Littig, Direktor Bildungspolitik und -strategie DEKRA Akademie GmbH, in seinem Leitwort zum Report: „Diese Entwicklung ist natürlich teilweise auf die aktuell positive Wirtschaftslage zurückzuführen. In erster Linie ist sie jedoch das Ergebnis des immer spürbarer werdenden demografischen Wandels, der beispielsweise in technischen Berufsfeldern oder den Gesundheitsberufen schon deutliche Spuren hinterlässt.“
Die Veränderungen der Rangfolge innerhalb nur eines Jahres veranschaulicht die Umwälzung des Arbeitsmarktes und der zur Zeit gefragtesten Berufe:


Die Rekrutierung ausländischer Mitarbeiter taugt nur bedingt, um die Engpässe des heimischen Arbeitsmarktes auszugleichen. Arbeitskräfte in Berufen wie Kundenbetreuer und Account Manager, Telefonverkäufer, Call Center Agents, oder Vertriebs,- und Verkaufleiter aus anderen EU Staaten, sind schon wegen der hohen Ansprüche an die Sprachkenntnisse, nicht unbedingt kompatibel mit dem deutschen Arbeitsmarkt. Dies gilt ebenso für die innerhalb der EU recht unterschiedlichen Ausbildungs-Standards. Es ist kaum anzunehmen, daβ ein Elektriker von Kalymnos die gleiche Qualifikation mitbringt, die von einem in Deutschland ausgebildeten Mitarbeiter in der Automobilindustrie erwartet wird. Auch Akademiker sind vom Ausbildungsgefälle der verschiedenen Länder betroffen. (mehr dazu hier)
Die Suche nach qualifizierten Fachkräften wird für die Unternehmen immer schwerer. Aus diesem Grund verändern sich auch die Auswahl- und Einstellungsverfahren zugunsten professioneller Arbeitsvermittler. Laut Dekra Report wird 2012 fast jede dritte Arbeitsstelle von Personalvermittlungen ausgeschrieben. Nur jede zweite der analysierten Stellen haben Arbeitgeber direkt inseriert. Im Vorjahr waren es noch 82,9 Prozent.

