Personalchefs sind in der Regel besser auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet als Jobsuchende. Sie verfügen über eine große Palette an psychologischem Werkzeug, sind zumeist entsprechend geschult und routiniert in jeder Form von Interaktion, schließlich geht es für sie darum, die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber, ebenso wie alle anderen Menschen, sind auch sie nicht ganz frei von persönlichen Vorurteilen, Vorlieben und Abneigungen, selbst wenn das für ihren Job eher hinderlich ist. Folglich können alle Ratgeber mit Tipps und Tricks zur erfolgreichen Bewerbung auch immer nur eine grobe Anleitung darstellen.

Therapeuten und Personalchefs haben eines gemeinsam: Sie stellen gezielt Fragen, die dazu dienen Sie aus der Reserve zu locken, um Dinge zu erfahren, die Sie nicht so ohne weiteres von sich preisgeben würden. Daher ist es aus der Sicht des Kandidaten hilfreich zu wissen, warum man Ihm diese oder jene Frage stellt. Tauschen Sie doch einfach einmal in Gedanken Ihren Platz mit dem des Personalchefs und überlegen Sie sich, warum Sie bestimmte Fragen stellen würden und welche Erkenntnisse Sie aus den Antworten erwarten.
Nahezu jedes Bewerbungsgespräch unterliegt einem ganz spezifischen Muster, das sich je nach Branche oder Größe des Betriebs nur geringfügig unterscheidet. Wesentliche Phasen des Gesprächs sind:
Aufwärmphase – Vorstellungsphase – Entdeckungsphase – Informationsphase – Frage & Antwort Phase
Spielen Sie in Gedanken den Rollentausch durch
Was würden Sie als Personalchef von einem Kandidaten wissen wollen, was nicht in seinem Lebenslauf, Zeugnissen und Dokumentation seiner beruflichen Qualifikation steht, und mit welchen Fragen bekommen Sie die gewünschten Informationen? Hier ein kleiner Katalog mit Fragen & klugen Antworten, die Ihnen beim Bewerbungsgespräch helfen sollen :
I. Motivation hinter der Bewerbung?
II. Wie loyal ist der Kandidat gegenüber seinem Arbeitgeber?
III. Was für ein Typ Mensch ist der Bewerber?
IV. Wie flexibel ist der Kandidat?
V. Gesundes Selbstbewusstsein, oder Selbstüberschätzung?
VI. Wie steht es mit Kritikfähigkeit?
VII. Teamplayer oder Einzelkämpfer?
VIII. Wie schätzt der Bewerber seinen eigenen Wert für die neue
Arbeitsstelle ein?
IX. Liefert der Kandidat eine eingeübte Bewerber-Show ab, oder
antwortet er spontan?
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I. Motivation hinter der Bewerbung?
Natürlich möchten Sie etwas über die Motivation des Bewerbers wissen. Geht es dem Kandidaten um Geld, die Chance ein paar Sprossen auf der Karriereleiter zu überspringen, oder ist er in seiner jetzigen Stellung einfach nur frustriert?
Frage: Warum haben Sie sich bei uns beworben, sind Sie unzufrieden mit Ihrer momentanen Stellung und wenn ja, aus welchem Grund?
Antwort: Ich habe in meiner jetzigen Stellung einiges erreicht, man ist mit meiner Arbeit sehr zufrieden, aber ich möchte nicht meinen beruflichen Enthusiasmus in Routine enden lassen. Nach meinen Informationen über Ihr Unternehmen, bietet es mir interessante Möglichkeiten mich neuen Herausforderungen zu stellen.
II. Wie loyal ist der Kandidat gegenüber seinem Arbeitgeber?
Während einer angemessenen Einarbeitungsphase, ist man noch kein echter Gewinn für einen neuen Arbeitgeber. Versucht der Bewerber vielleicht nur eine gewisse Zeit im neuen Unternehmen zu überbrücken, bis er das vermeintlich „Richtige“ findet?
Frage: Würden Sie bei Ihrer Firma bleiben, wenn sie Ihnen neue Aufgaben und eine Gehaltserhöhung bieten würde?
Antwort: Im Prinzip ja, aber leider ist das aufgrund der Marktpositionierung und einer beschränkten Angebotspalette/Produktion meines Arbeitgebers keine Alternative. Hinzu kommt, daβ Ihr Unternehmen auf dem internationalen Markt präsent ist, ein Bereich in dem ich gerne Erfahrungen sammeln möchte.
III. Was für ein Typ Mensch ist der Bewerber?
Womit verbringt der Kandidat seine Freizeit? Ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler ist eher für den Job eines Buchhalters geeignet, als jemand der als Frontman in einer Band spielt und Kontakt zum Publikum sucht. Hobbies und Freizeitaktivitäten geben viel Aufschluss über die Persönlichkeit eines Menschen.
Frage: Welche Hobbies haben Sie, oder womit verbringen Sie gerne Ihre Freizeit
Antwort: Da ich viel Zeit im Büro verbringe, nutze ich zum Ausgleich jede Gelegenheit etwas im Freien zu unternehmen. Daneben helfe ich ehrenamtlich in einer Wohlfahrtseinrichtung und natürlich verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit Freunden und meiner Familie.
IV. Wie flexibel ist der Kandidat? Natürlich will man wissen, ob Sie der klassische „Nine to Five“ Typ sind. Ist der Bewerber bereit zu Reisen, zu ungewöhnlicher Zeit, oder für einen gewissen Zeitraum in einer anderen Filiale der Firma zu arbeiten. Doch Vorsicht! Loten Sie vorher aus, auf welchen Aspekt Ihr zukünftiger Arbeitgeber den größten Wert legt.
Frage: Was sagt Ihre Familie zu Ihrem angestrebten Arbeitsplatzwechsel, veränderten Arbeitszeiten und eventuell anfallenden Überstunden?
Antwort: Meine Familie hat mich bisher immer bei meiner Arbeit unterstützt. Sie kennt meine Arbeit und die Anforderungen des Jobs. Alle haben vollstes Verständnis für meinen Beruf, die Arbeitszeiten und Geschäftsreisen, schließlich profitieren wir alle vom Ergebnis.
V. Gesundes Selbstbewusstsein, oder Selbstüberschätzung? Selbstverliebte Besserwisser sind in keinem Betrieb gefragt. Wer mit seinem Wissen und Fähigkeiten prahlt und glaubt allen anderen Mitarbeitern voraus zu sein hat keine Chance, selbst wenn der Kandidat über dem Durchschnitt qualifiziert ist. Hier sind von Seiten der Personaler oft Fangfragen zu erwarten.
Frage: Wo würden Sie sich selbst auf einer Skala von eins bis zehn einstufen?
Antwort: Nobody is perfect. Aufgrund meiner bisherigen Leistungen und dem mir und meinen Fähigkeiten entgegengebrachten Vertrauen, würde ich mich bei 8 plus einstufen. Gleichzeitig sehe ich die Chance, mit Hilfe der von Ihrem Unternehmen angebotenen Fortbildungskurse noch etwas zuzulegen und mich speziell im Bereich (???) zu verbessern.
VI. Wie steht es mit Kritikfähigkeit? Arbeitnehmer, die tagelang beleidigt sind, weil man sie kritisiert hat, sind in jedem Betrieb ein Störfaktor. Wer auf Kritik (berechtig oder unberechtigt) zu emotional reagiert, schiebt sich im Kollegenkreis schnell ins Abseits.
Frage: Ihr Abteilungsleiter ist mit dem Ergebnis einer Ihnen gestellten Aufgabe unzufrieden, wie reagieren sie darauf?
Antwort: Ich habe kein Problem damit, Fehler einzugestehen. Jede Kritik, auch unberechtigt, hat ein Quäntchen Wahrheitsgehalt. Ich versuche zuerst die Situation zu reflektieren und herauszufinden, ob es Erklärungsbedarf gibt, um eventuell einen falschen Eindruck zu revidieren. Wie auch immer, ich werde den Abteilungsleiter bitten, gemeinsam mit mir eine Lösung zu finden, um künftige Probleme zu vermeiden.
VII. Teamplayer oder Einzelkämpfer? Da sich der Kandidat sicher nicht als Leuchtturmwärter oder Orchestermusiker bewirbt, gilt es herauszufinden wie teamfähig er in einer Gruppe agieren kann.
Frage: Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie eine klassische Teamaufgabe bewältigt haben und welche Rolle Ihnen dabei zugedacht war.
Antwort: Ich habe an einem Projekt mitgearbeitet, das nur mit dem Fachwissen von Mitarbeitern aus anderen Abteilungen zu bewältigen war. Gemeinsam mit Kollegen meiner Abteilung, erarbeiteten wir unseren Beitrag zum Gelingen des Projekts und wählten einen kompetenten Repräsentanten. Die Rolle fiel mir zu und ich habe die Ergebnisse unseres Teams mit denen der anderen Abteilungen zusammenfügt. Ich muβ zugeben, ich habe dabei viel über meine Mitarbeiter und deren Fachwissen erfahren, was mir vorher verborgen blieb.
VIII. Wie schätzt der Bewerber seinen eigenen Wert für die neue Arbeitsstelle ein? Jeder Bewerber hat Stärken und Schwächen. Diese aus seinem Lebenslauf zu analysieren ist zeitaufwendig und subjektiv. Am besten fragen Sie direkt, mit welchen Qualitäten der Kandidat selbst glaubt, seinen zukünftigen Arbeitgeber beeindrucken zu können.
Frage: Warum sollte ich Sie Ihrer Meinung nach anderen Bewerbern vorziehen?
Antwort: Schon während meiner Ausbildung habe ich mich auf (…..) spezialisiert. In der Praxis habe ich bei verschiedenen Firmen meine Erfahrungen gesammelt, ein europaweites Netzwerk unter Kollegen aufgebaut und an Fortbildungen teilgenommen. Ich bin überzeugt, daβ ich gerade in diesem Bereich für Ihr Unternehmen ein Gewinn sein kann. Besonders, da sich Ihre Firma europaweit, oder international präsentieren möchte.
IX. Liefert der Kandidat eine eingeübte Bewerber-Show ab, oder antwortet er spontan? Stereotype Antworten werden von jedem Personalchef schnell entlarvt. Was liegt da näher als ein paar Fragen „out oft he box“ zu stellen?
Frage: Was glauben Ihre bisherigen Kollegen, welches Ihre größten Stärken und Schwächen sind?
Antwort: Ich lege bei meiner Arbeit groβen Wert auf den „Blick für’s Detail“ und Durchhaltevermögen. Natürlich erwarte ich dies auch von meinen Mitarbeitern. Einige halten das für eine Stärke, andere empfinden das gelegentlich als Druck von außen. Da gehen die Meinungen wohl manchmal auseinander. Mir wurde von Kollegen gesagt, sie schätzen meine Begeisterungsfähigkeit und das Talent, sie dadurch ebenfalls zu motivieren.
Probieren Sie es aus!

