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Profis als Allrounder – Die Wiederentdeckung des Überblicks

Die meisten Menschen sind in ihrem Alltag schon über Begriffe wie „Spezialist“, „Experte“ oder „IT-Crack“ gestolpert. Die Zeiten der Universalgenies wie Goethe und Da Vinci, die  in zahlreichen unterschiedlichen Disziplinen Spitzenleistungen brachten, sind lange vorbei. Der Zehnkampf ist eines der wenigen Relikte, wo Menschen in mehreren sehr unterschiedlichen Gebieten Höchstleistungen erbringen. Das Schul- und Bildungssystem bringt im Gegensatz dazu nach dem Bologna-Prozess eher Fachspezialisten hervor. Wird Deutschland nun also zum Land der Fachidioten?

Generalisten und Spezialisten haben beide ihre Berechtigung und werden gleichermaßen gebraucht.

Generalisten verfügen über ein breites Basiswissen und werden oft zu Unrecht als “Alles- und Nichtskönner” abgewertet. Sogenannte Allrounder, wie Allgemeinärzte oder Hausmeister,  wissen über zahlreiche verwandte Themengebiete Bescheid, und leiten dann an die Spezialisten entsprechend weiter. Die meisten arbeiten jedoch in Führungspositionen, gerade auch bei interdisziplinären Projekten, und vermitteln mit ihren guten sozialen Kompetenzen zwischen verschiedenen Fachgebieten. Sie zeichnen sich durch hohe Flexibilität und Offenheit, die spontane Übernahme neuer Aufgaben und Lebensläufe mit häufigen Berufswechseln aus. Besonders in kleinen mittelständischen Firmen und Startups werden Generalisten gebraucht. Hier erledigen wenige Beschäftigte all jene Aufgaben, die es auch in großen Unternehmen gibt. Allerdings ist der Aufwand in den einzelnen Gebieten wie Marketing, Finanzen und Kundenbetreuung geringer, so dass weniger Mitarbeiter mehrere Funktionen erfüllen können. Besonders in ländlichen Regionen oder außerhalb der Kernarbeitszeiten werden Ärzte und Fachkräfte mit umfangreichem Wissen benötigt, um eine Basisversorgung zu sichern.

In großen Unternehmen arbeiten hingegen eher Spezialisten, da hier Tiefenwissen gefordert ist. Sie beherrschen die Fachsprache und erarbeiten sich über viele Jahre ein umfangreiches Wissen über ihr Teilgebiet. Die schnelle Entwicklung in Wissenschaft und Technik macht es heute auch nahezu unmöglich, in allen Wissensbereichen immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Aus diesem Grund hat sich das Bildungssystem mittlerweile angepasst – es ermutigt zur frühen Spezialisierung. Aber ist „Schmalspurwissen” das einzig wahre?

Gegenüberstellung der Wissensprofile Spezialist, Generalist und T-ShapedDer etwas fremdartig klingende Begriff „T-Shaped-Professional“ beschreibt den optimalen Mitarbeiter der Zukunft. Konkret heißt das: „Generalisten mit Steckenpferd“ oder „Spezialisten mit Blick über den Tellerrand“ braucht das Land! Der Übergang vom Allrounder-Job zur Spezialisierung fällt für diese Mitarbeiter mit wachsender Unternehmensgröße einfacher.

Fazit: Detailvernarrte sollten, trotz Präferenz für ein spezielles Themengebiet, Soft Skills und soziale Kontakte nicht  vernachlässigen und mit Branchenwissen punkten. Generalisten sollten sich hingegen nicht zur Führungskraft determinieren lassen, sondern sich ein Herzens-Thema suchen, in dem sie Ihr Wissen vertiefen können und nicht zu sprunghaft handeln. Durch Wissensvernetzung und verständlich machen komplexer Zusammenhänge können sie das Ansehen, sowohl von Fach- als auch fachfremden Kollegen gewinnen.