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Was tun, wenn der Chef einen Fehler begeht?

Wer kennt nicht den alten Spruch: Wie sag‘ ich’s meinem Kinde? So eine Situation ist oft schwierig genug könnte man meinen, obwohl man sich meist in der besseren Position befindet. Aber wie sag‘ ich’s meinem Chef, wenn er einen Fehler macht? Die Antwort darauf verlangt schon nach einer guten Strategie.

In Asien wird man dazu erzogen unter allen Umständen das Gesicht zu wahren. Wenngleich das in vielen Fällen einem an Heuchelei grenzenden potemkinschen Bühnenaufbau gleichkommt, zählt es zu den absoluten Todsünden, einen Lehrer oder Vorgesetzten, auf Fehler hinzuweisen. Selbst kritische Fragen können zum Gesichtsverlust führen, wenn der Chef, oder Lehrer, keine Antwort weiß. Wer dies nicht beachtet, riskiert seinen Job, oder man verliert zumindest jegliche Unterstützung im Unternehmen. Anhängern konfuzianischer Weisheiten wird dazu der Spruch einfallen: Unter jedem Dach wohnt ein Ach!

Kein Grund zu Überheblichkeit, denn auch in unseren Breitengaben gibt es Chefs, die der Meinung sind: „Wer Fehler in meiner Arbeit findet, darf sie für sich behalten!“ Tatsache ist jedoch, Manager sind genauso Menschen wie du und ich und sind ebenso fehleranfällig wie der Rest von uns. Einige Manager machen eine Menge Fehler, die ungeahnte Konsequenzen nach sich ziehen, daher ist wichtig, zu wissen, wie man mit solchen Situationen taktvoll und professionell umgeht.

Also, Hand aufs Herz. Wie sicher lavieren Sie durch die verzwickte Situation, wenn Sie Wissen Sie sind im Recht und würden dies am liebsten in die Welt hinausschreien?

So, und nun fühle ich mich auch sicher genug gegenüber kritischen Bemerkungen, wenn ich mit einem Spruch von Verona Feldbusch fortfahre: „Hier werden Sie geholfen!“

Die wichtigsten goldenen Regeln

Vermeiden Sie jegliche Provokation! Lassen Sie Dampf ab, bevor Sie mit ihrem Vorgesetzten sprechen. Spontane Aktionen führen zu keinem guten Ergebnis. Beginnen Sie keine Diskussion mit dem Hinweis auf einen Fehler oder Mangel ihres Vorgesetzten! Ganz wichtig: Behandeln Sie das Thema nie in Gegenwart anderer Mitarbeiter! Nur wenn Sie diese goldenen Regeln einhalten, werden Sie weiterhin gute Beziehungen pflegen können. Egal ob Vorgesetzte, oder Untergebene, niemand lässt sich gerne kritisieren und der erste natürliche Reflex Ihres Gegenübers ist die Verteidigung, die allerdings sehr schnell in Feindseligkeit umschlagen kann. Unabhängig von Ihrer Position, sollten Sie nie die alte Weisheit vergessen: Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus.

Formulierungen, die Sie besser vergessen

Vorwürfe etwa wie: „Das hätten Sie mir vorher einmal sagen müssen…“

Belehrungen: „So wie Sie sich das vorstellen, kann man das nicht machen…“

Unnötige Vergleiche: „Herr A aus Abteilung B hat das Problem besser im Griff…“

Unvermögen anzeigen: „Was Sie fordern ist nicht zu schaffen…“

Das Anführer Syndrom: „Alle anderen Mitarbeiter teilen meine Ansicht…“

Bloßstellungen: „Mit der Entscheidung haben Sie doch schon einmal falsch gelegen…“

Autorität anzweifeln: „Muß das alles immer nur nach Ihren Vorstellungen gehen…?“

Die folgenden vier Strategien werden Ihnen helfen Kritik zu üben, ohne daß jemand das Gesicht verliert.

Strategie Nr. 1: Spielen Sie den Unwissenden

Diese Strategie funktioniert fantastisch, besonders wenn Ihr Vorgesetzter eklatante Fehler gemacht hat, die sich nicht sofort offenbaren, von denen Sie aber vermuten sie könnten äußerst peinlich für ihn sein, wenn Sie ihn direkt darauf hinweisen.

Angenommen, Ihr Chef hat einen Fehler bei der Materialbeschaffung gemacht. Spielen Sie den Unwissenden und fragen Sie ganz harmlos: „Darf ich ihnen eine Frage im Zusammenhang mit XYZ stellen? Es ist vielleicht auf meine Unerfahrenheit zurückzuführen, aber ich dachte, die beste Lösung wäre ABC. Können Sie mir helfen den Vorgang zu verstehen?“ “ Ein solcher Ansatz erfordert, daß der Vorgesetzte zu erklären versucht, wie er seine Lösung erreicht, es ist wahrscheinlich, dass er den Fehler erkennt. Da Sie ihn nicht explizit auf einen Fehler hingewiesen haben, wird er glauben, er habe ihn selbst erkannt. Damit hat er Gelegenheit den Fehler ohne „Gesichtsverlust” zu korrigieren. Der Vorteil dieses Ansatzes einer Doppelstrategie – die Situation ist ohne jeden peinlichen Moment gerettet, während Ihr Vorgesetzter erkennt, dass er auf Sie zählen kann, wenn es darum geht Dinge zu erkennen und taktvoll auf Ungereimtheiten hinzuweisen.

Wann sollte man diese Strategie anwenden?

Natürlich funktioniert dieser Ansatz, bei dem Sie Ihren Chef auf die nette Tour dazu bringen seinen Fehler zu entdecken nur, wenn dieser aus Unachtsamkeit gemacht wurde und nicht etwa aus Unvermögen, oder Ignoranz Ihres Vorgesetzten. Gehört Ihr Gegenüber zu jenen Leuten, die gern den Überlegenen spielen, springt auch für Sie etwas dabei heraus, denn er wird glauben Ihnen einen Gefallen zu tun, indem er die Situation erklärt. Wenn der Chef sein Missgeschick entdeckt, kommt er jedoch nicht umhin zu erkennen, daß Sie klüger agieren, als es den Anschein  hatte.

Strategie Nr. 2: Bleiben Sie neutral und objektiv

Es gibt Fälle, in denen Strategie 1 nicht die optimale Vorgehensweise bietet. Zum Beispiel, wenn Sie über genügend Fachwissen verfügen und eine entsprechende Position im Betrieb halten. Sie sind also in einer Situation, in der man das Erkennen eines Fehlers voraussetzen kann. Sprechen Sie den Fehler direkt an. Allerdings lohnt es sich, solche Gespräche mit Feinfühligkeit zu führen (schließlich wird  Ihre Leistung wird von Ihrem Chef bewertet!). Anstatt zu sagen: „Es ist offensichtlich, daß hier ein Fehler gemacht wurde“ versuchen Sie es so: „ Ich glaube, ich habe hier eine Ungereimtheit entdeckt.“ Je neutraler Sie die Situation angehen, umso weniger suggerieren Sie, daß Ihr Chef den Fehler zu verantworten hat. Weisen Sie objektiv auf etwaige falsche Daten hin, erläutern Sie genau, warum diese nicht stimmen können und vermeiden Sie jeden persönlichen Vorwurf.

Wann sollte man diese Strategie anwenden?

Das funktioniert gut, mit Managern, die aufgeschlossen, leistungsorientiert sind und nicht zu denen gehören, die auf ihre „Schulterklappen“ bestehen, um eigene Unsicherheit oder einen Überlegenheitskomplex zu kompensieren. Die letztgenannten neigen im Allgemeinen dazu,  sich zu Dampfwalzen zu entwickeln. Wenn sie auf Fehler hingewiesen werden, reagieren sie stur und es wird sehr schwierig für Sie, sich nicht in Streitereien zu verwickeln. (Versuchen Sie in dem Fall Strategie Nr. 1).

Strategie Nr. 3: Bleiben Sie cool und suchen Sie Konsens in der Uneinigkeit

Wenn beide Strategien, 1 und  2 nicht anwendbar erscheinen, ist der beste Ansatz für Sie leise Einigkeit über ihre Uneinigkeit zu erlangen. Insbesondere wenn der Fehler nicht signifikant ist. Dies mag wie ein eher „schwacher“ Ansatz scheinen. In Wirklichkeit aber, ist es ratsam die eigenen Kräfte für die großen Schlachten zu reservieren (wie etwa die Aushandlung einer Gehaltserhöhung!).

Wann sollte man diese Strategie anwenden?

Wenn durch Fehler keine Folgeschäden entstehen, zum Beispiel bei sachlich falschen Bemerkungen oder Stellungnahmen, die während einer Besprechung gemacht wurden.

Strategie Nr. 4: Koordination mit jemandem in höherer Position

Tolle Idee! Wer hat sie da vorgeschoben?

Diese Strategie muß sorgfältig ausgeführt werden! Sie erfordert eine explizite Erläuterung der „Meinungsverschiedenheit“ (dh Fehler) eines Managers, der entweder auf gleicher Höhe Ihres Vorgesetzten, oder über Ihrem Vorgesetzten steht. In Gesprächen dieser Art gilt es darum, um jeden Preis den Eindruck zu vermeiden, Sie würden Gerüchte in Umlauf bringen, oder jemanden diffamieren. Argumentieren Sie offen in transparenter Weise und zeigen Sie mit Ihrem feedback, daß Ihnen in erster Linie das Wohlergehen der Firma am Herzen liegt. Bei diskreter Vorgehensweise, können Sie sich Rat und Hilfe bei einer Vertrauensperson holen, die überprüft, ob Ihre Version korrekt ist und Ihren Vorschlag nach oben trägt. Danach überlassen Sie die Angelegenheit der Klärung den Managern der in der Chefetage.

Wann sollte man diese Strategie anwenden?

Gehen Sie diesen Schritt nur, wenn sicher ist, daß hier einiges auf dem Spiel steht und Ihr Vorgesetzter darauf beharrt keinen Fehler gemacht zu haben, oder sich weigert auf entsprechende Fragen zu antworten. Vergessen Sie nie, ein Fehler ihrerseits kann ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen, wenn Sie sich an eine höhere Instanz wenden. Niemand schätzt es, wenn Sie diese Vorgehensweise als ersten Weg einschlagen! Der klügere Weg ist der, den Vorgesetzten Ihres Chefs zu bitten, Ihnen die Situation zu erläutern, um Ihre eigenen Kenntnisse zu vervollkommnen. Fragen Sie nur Vorgesetzte von denen Sie sicher sind, ihnen liegt mehr an der Vermittlung von Kenntnissen, als innerbetriebliche Machtpolitik zu betreiben.

Betriebliche Realität sieht in den meisten Fällen so aus, daß Vorgesetzte Fehler nicht zugeben wollen und nach erfolgreicher Korrektur, das dafür erhaltene Lob nicht mit Untergebenen teilen. Damit wird in der Praxis Strategie Nr. 3 zur häufigsten Variante, zumindest in Junior-Positionen.

Strategie Nr.1 ist eine bewährte Vorgehensweise, wenn ein raues, oder aggressives Betriebsklima herrscht, in dem verletzte Ego schon auf die leiseste Provokation reagieren. Strategie Nr.4 wird angewandt, wenn Sie bereits ein „Standing“, basierend  auf qualifiziertem Fachwissen in der Firma verfügen und sich Ihrer Verbündeten sicher sein können, während Ihr Chef für wohlgemeinte Ratschläge nur bedingt zugänglich ist.

Treiben Sie es nicht auf die Spitze!

Unabhängig davon, welchen Ansatz Sie verwenden (vielleicht ist der für Sie „richtige“ nicht in dieser Liste), es lohnt sich immer Menschen mit Respekt und Höflichkeit zu begegnen, auch wenn dies nicht erwidert wird.

Was denken Sie? Haben Sie durch Ihre Erfahrungen bei der Arbeit vielleicht, einen noch besseren Weg gefunden, mit dem Chef umzugehen, wenn er einen Fehler gemacht hat? Teilen Sie Ihre Tipps für den Umgang in dieser Situation mit Anderen, oder erklären Sie uns, welche unserer Strategien für Sie erfolgreich war und warum. Wir freuen uns über Ihr feedback via Twitter oder Facebook!