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Probezeit – Alles was ihr (zum Bestehen) wissen müsst!

Eure Bewerbung war erfolgreich und der Start in den neuen Job rückt näher? Super – wäre da nicht noch die Probezeit, welche in Deutschland bis zu sechs Monate betragen kann.

Sie hat jedoch den Sinn, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber gegenseitig kennen lernen. Statistiken zufolge scheitert in Deutschland jedes fünfte Arbeitsverhältnis innerhalb der ersten sechs Monate. Zwar haben viele Firmen ausgeklügelte Personalauswahlverfahren, Vorstellungsgespräche oder sogar Assessment Center durchgeführt, doch ob ihr als Mitarbeiter wirklich für die Position geeignet seid, zeigt sich oft erst in der beruflichen Praxis. Sollte die Zusammenarbeit während dieser Zeit nicht funktionieren, haben beide Seiten die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis in der Regel binnen zwei Wochen zu kündigen. Im Idealfall passiert das natürlich nicht. Besonders wenn ihr darauf achtet, euch während der Probezeit von euer Schokoladenseite zu zeigen und die ersten Tage, Wochen und Monate in einem neuen Unternehmen sehr bewusst anzugehen.
Am Anfang muss man zunächst schauen, nach welchem Takt gespielt wird und welche Regeln gelten. Es geht darum, sich über die Aufgaben, die Kollegen und die Vorgesetzten im Umfeld zu orientieren. Wer sich sofort überall einmischt und ständig Verbesserungsvorschläge macht, schießt sich selber schnell ins Aus. Doch häufig sei der Auslöser für Kündigungen, dass der „Neue“ es nicht schaffe, sich in das bestehende Team einzugliedern. „Gerade am Anfang ist es wichtig, sehr bescheiden aufzutreten, kleine Brötchen zu backen, genau hinzuschauen und zu beobachten“, sagt Karrierecoach Jürgen Hesse aus Berlin in einem SZ-Interview.

Wie also lässt sich die Gratwanderung zwischen Eindruck schinden, Fähigkeiten ausspielen, erste Zeichen setzen und Einfügen ins Team schaffen? Um die Probezeit zu bestehen, solltet ihr folgende Dinge beachten und wissen:

Dauer der Probezeit

Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, nach der ein Arbeitsverhältnis mit einer Probezeit beginnen muss. Es kann also komplett darauf verzichtet werden. Allgemein üblich ist eine Probezeit von maximal sechs Monaten.
Sie geht in den meisten Fällen direkt in einen Arbeitsvertrag über, sofern weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer einen Grund sehen, das Arbeitsverhältnis vorher zu beenden. Ob das dann ein befristeter oder ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist, hängt von dem zu Beginn des Arbeitsverhältnisses abgeschlossen Vertrag ab. Eine andere Variante ist, dass ein befristeter Arbeitsvertrag über die Dauer der Probezeit geschlossen wurde. In diesem Fall muss nach Ende der vereinbarten Probezeit, wenn beide Parteien auch weiterhin zusammen arbeiten wollen, ein neuer Arbeitsvertrag aufgesetzt werden.

Die Sache mit dem Urlaub

Wer erst einige Tage oder Wochen im neuen Job arbeitet, traut sich oft nicht, um einen freien Tag zu bitten oder gar eine Woche frei zu nehmen. Schließlich möchte niemand den Eindruck erwecken, schon zu Beginn der neuen Tätigkeit erholungsbedürftig zu sein. Eine heikle Situation also, über die auch einige hartnäckige Gerüchte kursieren – zum Beispiel, dass in der Probezeit grundsätzlich eine komplette Urlaubssperre herrsche. Aber das ist so nicht richtig: Generelle Urlaubssperren sind gesetzlich nicht zulässig und auch euer Urlaubsanspruch in der Probezeit ist gesetzlich genau geregelt. Zwar habt ihr erst nach Ablauf der Probezeit Anspruch auf euren kompletten Jahresurlaub; aber für jeden gearbeiteten Monat steht euch 1/12 eures Jahresurlaubs zu. Mit anderen Worten: Schon nach einem Monat Arbeit könntet ihr Urlaub nehmen, wenn auch nur wenig. Für wichtige Termine und Feierlichkeiten sind einzelne Tage jederzeit vertretbar, insofern sie frühzeitig angekündigt und einvernehmlich abgesprochen werden. Habt ihr schon vor eurer Einstellung eine Reise gebucht, solltet ihr das schon beim Vertragsschluss thematisieren.

Kritische Äußerungen

In der Regel seid ihr auch als neuer Arbeitskollege dazu eingeladen, eure Ideen und Vorschläge in den Unternehmensalltag mit einfließen zu lassen. Gebt euch aber ein bisschen Zeit, den jeweiligen Umgang mit Kritik und Einwänden im Unternehmen erst einmal kennenzulernen. Bringt eure Kritik also in einem ausgewogenen Maße an, sofern nicht etwas anderes von euch verlangt wird. Die Probezeit ist mitunter auch dazu gedacht, dass sich Ihr Vorgesetzter ein Bild von euer Anpassungsfähigkeit und Teamfähigkeit machen kann. Somit solltet ihr Kritikpunkte konstruktiv und sensibel zur Sprache bringen.

Krank in der Probezeit

Generell gilt: Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben! Eurem Arbeitgeber bringt es schließlich nichts, wenn ihr weniger leistungsfähig seid, dadurch ineffektiv arbeitet und mit großer Wahrscheinlichkeit auch noch eure Kollegen ansteckt. Natürlich ist es gerade während der Probezeit wichtig, auf die Häufigkeit der Fehlzeiten zu achten und abzuwägen, ob man bei einem harmlosen Kratzen im Hals tatsächlich ins Bett gehört. Solltet ihr jedoch schwerer erkranken oder euch krankheitsbedingt auskurieren müssen, empfiehlt es sich in jedem Fall, den Vorgesetzten rechtzeitig zu informieren und dabei offen zu kommunizieren. Wenn ihr so vorgeht, wird euch auch garantiert Verständnis entgegengebracht werden. Die Anzahl der Fehltage hat zudem keinen Einfluss auf die Länge der Probezeit. Einen Anspruch auf Kündigungsschutz hat man jedoch auch im Krankheitsfall erst nach erfolgreichem Abschluss dieser.

I'm sick :c

Umgang mit Arbeitskollegen

Als neuer Mitarbeiter gilt Folgendes: Beobachtet zunächst euer Umfeld, bevor ihr überstürzt handelt. Versucht, die Unternehmenshierarchie und -kultur zu verstehen und tastet euch vorsichtig an übliche Verhaltensweisen und Kommunikationswege heran. Wie verhalten sich die Kollegen untereinander? Worüber wird gesprochen? Ist das Verhältnis lockerer oder werden private Themen gänzlich gemieden? Natürlich sollet ihr euch nicht komplett verstellen. Versucht aber gerade während der ersten Zeit in gewissen Situationen vorsichtig zu handeln, um nicht in unnötige Fettnäpfchen zu treten.

Kündigungsschutz

Die Kündigungsfrist ist während der Probezeit verkürzt und beträgt meist nur 14 Tage. Ohne Angabe von Gründen kann (leider) bis zum letzten Probearbeitstag eine Kündigung ausgesprochen werden, die dann zwei Wochen später in Kraft tritt. Erst nach Abschluss der Probezeit steigt die Kündigungsfrist auf einen Monat (s. BGB §622). Im Rahmen von betrieblichen Kündigungen ist es gesetzlich festgeschrieben, dass Mitarbeiter in der Probezeit zuerst entlassen werden müssen. In der Rangfolge der Kündigungsgründe nach der Probezeit steht Krankheit eher auf den hinteren Plätzen.
Doch die Anpassungsregeln gelten nicht nur für den Neuankömmling. Auch das Unternehmen hat mit der Stellenausschreibung oder den Aussagen im persönlichen Gespräch Zusicherungen zum Aufgabenbereich, zu Abläufen und Betriebskultur abgegeben. Sollten diese Aussagen sich als völlige Fantasiegespinste herausstellen, hat auch der Mitarbeiter während der Probezeit die Möglichkeit, ohne ausführliche Angabe von Gründen kurzfristig zu kündigen.
Denn man muss sich klarmachen: Schwierigkeiten, die schon in der Probezeit auftreten, werden sich im Laufe der Jahre noch massiv verstärken.  Aber das sollte überlegt sein. Man darf keine „verbrannte Erde hinterlassen“, sonst ist der Ruf in der Branche schnell ruiniert. Hesse empfiehlt, in einer solchen Situation möglichst früh den Kontakt mit dem Vorgesetzten zu suchen. „Auch Arbeitgeber sind nicht alle aus Stein und reiben sich die Hände, wenn sie wieder jemanden in der Probezeit abgeschossen haben“, sagt er. Oft wisse der Chef auch, dass die Einarbeitung aus verschiedenen Gründen nicht gut gelaufen ist. Und manchmal könne man dann im gegenseitigen Einverständnis das Arbeitsverhältnis in einen Projektvertrag abändern, der plangemäß endet – ein wohlwollendes Arbeitszeugnis inklusive. Des Weiteren rät Hesse, bei späteren Bewerbungen offen mit dem Thema umzugehen und zu signalisieren, dass man aus den Fehlern von damals gelernt hat.

Kurz und knapp

DOs  DON´Ts 
Auf Andere zugehen  Abwarten 
Aufmerksam sein  Zu früh aufgeben 
Engagement zeigen  Raushalten 
Um Feedback bitten  Falsche Verbündete suchen 
Hilfe anbieten  Fehler nicht zugeben 
Status Quo respektieren  Übers Ziel hinaus schießen 
Interesse zeigen Alles besser wissen 

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